Feuerwerksverbot an Silvester

Von Amelie Heinke - Warum wir dieses Jahr freiwillig auf Feuerwerke verzichten sollten.


Bunte Bilder am Nachthimmel, aufregende Knalleffekte und das gemeinsame Feiern des neuen Jahres – für viele Menschen gehört das Feuerwerk an Silvester einfach dazu.


Ob die rund 122 Millionen Euro, die in Deutschland jährlich für Feuerwerkskörper ausgegeben werden, sinnvoll angelegtes Geld sind, muss natürlich jede*r für sich selbst entscheiden. Doch schon seit mehreren Jahren wird darüber diskutiert, ob private Silvesterfeuerwerke überhaupt noch erlaubt sein sollen. Diese Diskussion wurde durch die Corona-Pandemie in diesem Jahr noch einmal unter einem neuen Gesichtspunkt geführt.


Unabhängig von einem allgemeinen Verbot sollten wir alle in diesem Jahr freiwillig auf Silvesterfeuerwerk verzichten, um unsere Mitbürger*innen und unsere Umwelt zu schützen.


Für mich einer der gewichtigsten Gründe, kein privates Silvesterfeuerwerk zu veranstalten, sind die massiven Umweltschäden und die damit verbundenen Gefahren für Menschen und Tiere, die jedes Jahr Silvester durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern entstehen.

Laut einem Bericht des Umweltbundesamtes werden jährlich rund 2.050 Tonnen Feinstaub durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern freigesetzt, rund 75 Prozent davon in der Silvesternacht. Diese Menge entspricht knapp einem Prozent der insgesamt in Deutschland freigesetzten Feinstaubmenge.


Diese kurzzeitig extrem hohe Feinstaubbelastung – in den meisten Orten die höchste des gesamten Jahres – kann zu gesundheitlichen Schäden führen, die von einer vorübergehenden Beeinträchtigung der Atemwege bis hin zu vermehrten Krankenhausaufenthalten aufgrund von Atemwegserkrankungen oder Herz-Kreislauf-Problemen und einer zunehmenden Sterblichkeit reichen.


Dazu kommt die Freisetzung giftiger Stoffe wie Schwefeldioxid und Stickstoffdioxid durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern, die zusätzlich die Atemwege reizen.

Außerdem schaden der Umwelt die großen Mengen Müll, die in der Silvesternacht entstehen. Am nächsten Morgen sind oft in der gesamten Umgebung Böllerreste und Verpackungsmaterial verstreut. In den Resten der Feuerwerkskörper finden sich oft noch Spuren von Chemikalien, die über Regenwasser in den Boden und Gewässer gelangen können.

Neben den Umweltschäden gibt es aber auch noch andere Gefahren für die Tierwelt. Die meisten Haustierbesitzer*innen werden bestimmte Probleme kennen. Tiere leiden unter den grellen Lichtern und lauten Knallen an Silvester und sind die Nacht über oft nur schwer zu beruhigen. Mit unseren Haustieren fühlen wir natürlich besonders mit, aber auch Wildtiere sind betroffen. Gerade für Wildvögel kann das Feuerwerk dramatische Konsequenzen haben, da sie von ihren Schlafplätzen panisch aufbrechen und viel höher fliegen, als sie normalerweise gewohnt sind, und damit dringend benötigte Energie verbrauchen. Daher fordern viele Naturschutzorganisationen schon seit langem, privates Silvesterfeuerwerk zu verbieten.

Auch für viele Menschen mit Trauma sind die Explosionen an Silvester eine große Belastung, da sie beispielsweise an Kriegserlebnisse erinnern können. Das ist oft nur schwer vorstellbar. Die Europäische Union garantiert in Europa seit mehr als 70 Jahren den Frieden, und die meisten von uns haben in ihrem Leben keine direkten Erfahrungen mit Krieg oder Terror machen müssen. Trotzdem sollten wir uns darüber bewusst sein, dass nicht alle Menschen dieses Glück hatten, und auf diese Rücksicht nehmen.


Zusätzlich zu den psychischen Problemen, die durch Feuerwerke ausgelöst werden, kommen auch körperliche Verletzungen dazu. Abgerissene Finger, Knalltraumata, Brandverletzungen – an Silvester kann vieles passieren. Deshalb bereiten sich jedes Jahr Rettungskräfte auf die Nacht mit den meisten Einsätzen des Jahres vor. Immer wieder werden Menschen schwer verletzt, und erst 2018 starben zwei Männer in Brandenburg.


Diese Argumente für ein Verbot von Feuerwerkskörpern sind nicht neu. Aber gerade die Verletzungsgefahr erscheint vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie in einem neuen Licht. Die hohen Corona-Infektionszahlen und viele Infizierte, die intensivmedizinische Betreuung benötigen, belasten das Gesundheitssystem in Deutschland. Einzelne Krankenhäuser sind bereits überlastet, und Patient*innen müssen bereits in Einzelfällen in weiter entfernte Orte transportiert werden. Die hohe Feinstaubbelastung belastet die Lungen, was empfänglicher für eine SARS-CoV-2-Infektion macht und außerdem das Risiko für einen schweren Verlauf der Erkrankung erhöht.


Damit die ohnehin schon angespannte Situation des Gesundheitssystems und insbesondere der Krankenhäuser nicht noch weiter verschärft wird, sollte daher in diesem Jahr auf Silvesterfeuerwerk verzichtet werden, um die Anzahl der Menschen, die medizinisch behandelt werden müssen, zu reduzieren.


Unsere Nachbarn machen es vor: Die Niederlande beschlossen ein vollständiges Feuerwerksverbot, um das Gesundheitssystem zu entlasten. Fast hätte es auch in Niedersachsen ein allgemeines Feuerwerksverbot an Silvester gegeben, doch dieses wurde auf den entsprechenden Antrag eines Bürgers vom Oberverwaltungsgericht Lüneburg wegen eines Verstoßes gegen das Verhältnismäßigkeitsgebot gekippt. Jetzt ist nur noch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern und Böllern auf belebten öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen sowie öffentlich zugänglichen Flächen am 31. Dezember und 1. Januar verboten.


Zwischen 21 Uhr und 7 Uhr dürfen an diesen Orten auch keine Feuerwerkskörper mitgeführt werden. Außerdem ist das Veranstalten von öffentlichen Feuerwerken verboten. Der Verkauf von Feuerwerk und Böllern bleibt dieses Jahr durchgängig verboten – anders als sonst wird auch für Silvester keine Ausnahme gemacht.


Obwohl private Feuerwerke also in weiten Teilen erlaubt bleiben, sollten wir dieses Jahr freiwillig auf sie verzichten. Feuerwerke schaden unserer Umwelt, Tieren und unserer Gesundheit. Besonders in diesem Jahr ist es daher aufgrund der Corona-Pandemie wichtig Solidarität zu zeigen und unser Gesundheitssystem nicht zusätzlich zu belasten.

Es ist verständlich, dass das Aufgeben alter Traditionen wehmütig macht. Aber wir haben in diesem Jahr auch die Chance neue Traditionen zu begründen. Für die Zukunft bieten beispielsweise Licht- und Lasershows eine Alternative zu Feuerwerken.

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