Digital statt Old School

Von Sophie Katenhusen - Anfang 2021: In den meisten Ländern findet immer noch Homeschooling statt. Doch wie sieht es eigentlich mit der Digitalisierung in Schulen in Deutschland aus und was können wir von Estland lernen? Ein kurzer Einblick.



Besonders seit der Corona-Pandemie wurde aufgezeigt, wie wichtig die Digitalisierung in bzw. auch außerhalb der Schulen ist. Deutschland ist in diesem Bereich aber schon längst von vielen europäischen Ländern abgehängt worden.


In der LFS sind die meisten Räume mittlerweile mit Smartboards oder Beamer ausgestattet und iPad-Klassen gibt es auch bereits. An vielen anderen Schulen sieht es aber ganz anders aus. Dort gibt es noch Overheadprojektoren mit Folien und Tafeln mit Kreide.


Vergleicht man dies mit Estland, so kann man die Digitalisierung im schulischen Bereich in Deutschland als rückständig bezeichnen. Dort ist dies bereits schon seit langem Realität und gehört für Schüler zum Alltag. Der Spiegel hat bereits vor Jahren interessante Einblicke in das estländische Schulsystem gegeben. Ein bemerkenswertes Zitat aus der Reportage verdeutlicht, wie sehr die Digitalisierung in dem ehemaligen Sowjetstaat bereits zum modernen Selbstverständnis gehört:


"'Es gehört mittlerweile zur estnischen Mentalität, dass man digitalisiert sein muss, sonst ist man nicht Estnisch', sagt Kallas lachend."


Internet ist dort ein Grundrecht und für jeden zugänglich. Oft kommt es vor, dass beispielsweise hier in Niedersachsen iServ abstürzt oder jetzt im Homeschooling Videokonferenzen mit technischen Schwierigkeiten verbunden sind.


Da in Estland schon in den Schulen seit über 20 Jahren die digitale Infrastruktur ausgebaut wird, haben die Schüler und Lehrer kein Problem damit, von zu Hause aus zu arbeiten. Die Schüler haben alle Zugriff auf ein mobiles Endgerät, was in Deutschland noch nicht der Fall ist. Ein stabiler Server für alle Schulen landesweit unterstützt das Lernen von Zuhause ebenfalls. In Deutschland ist dies wiederum gerade auch wegen des Föderalismus nicht möglich, da jedes Bundesland individuell probiert, eine Lösung dafür zu finden. Die Pandemie dauert bald ein Jahr an, doch wo bleibt die Lösung?


Der Digitalpakt, der von Bund und Ländern beschlossen wurde, sollte mit 5 Milliarden Euro dieses Problem lösen. Von dieser hohen Summe wurde bisher noch nicht viel genutzt, in Niedersachsen wurden gerade einmal 12% des bereitgestellten Geldes verwendet.


Einer der Gründe, warum Deutschland noch nicht digital aufrüstet, ist der bekannte Datenschutz. Wie man auch an der Corona-Warn-App sieht, hängt Deutschland sehr am Datenschutz. Wenn man also Schulen bzw. generell mehr digitalisieren will, so scheitert man immer wieder an der DSGVO oder es braucht viele spezifische Sonderregelungen.


Auch vor 2020 hat die Politik nicht gemerkt, wie wichtig die Digitalisierung (an Schulen) ist und erst jetzt ist das Thema relevant und wird zudem notwendig. Dass Corona die plötzliche Veränderung in der Digitalisierung an Schulen wesentlich voranbringt, ist sehr optimistisch. Egal, ob Corona-Pandemie oder nicht, das Thema Digitalisierung in Schulen kann nicht mehr ausgeblendet werden.

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