Die schwierigste Aufgabe der Menschheit

Von Leonard Püschel - Dass der Klimawandel eine ernstzunehmende Herausforderung für die Menschheit ist, ist wohl mittlerweile dem Letzten klar. Doch warum er nur ein Symptom eines viel größeren Dilemmas ist und wie wir dieses lösen könnten, erklärt Leonard in diesem Beitrag.

(Collage: Ricarda Pinske)

Bild: Felipe Dana/AP/dpa


Mal öfter mit dem Rad fahren, während neben einem die ganzen Autos vorbeisausen? Im Supermarkt regionale Lebensmittel kaufen, wo doch Produkte aus aller Welt genauso gekauft werden? Oder gar auf eine Flugreise verzichten, obwohl mein Nachbar nach Australien fliegt?


All diese Situationen haben eines gemeinsam: Es gibt ein gemeinsames Ziel, das eine Gruppe verfolgt, und es gibt ein egoistisches Ziel, das jeder Einzelne aus der Gruppe anstrebt. Das Dilemma der Situation ist, dass sich beide Ziele in einer solchen Form gegenüberstehen, dass das Erreichen des gemeinsamen Gruppenziels auch nur dann für jeden Einzelnen gut ist, wenn alle miteinander kooperieren. Kommt jedoch keine Kooperation zustande, so stehen diejenigen, die sich für das Gemeinwohl eingesetzt haben, am Ende schlechter da als diejenigen, die sich um ihr eigenes Interesse gekümmert haben.


An einem zugespitzten und vereinfachten Beispiel zum Flugverzicht festgemacht: Wenn ich nicht fliege, dann tue ich dabei etwas für das Gemeinwohl, indem ich weniger CO2 ausstoße. Allerdings kann ich das gemeinsame Ziel, den Klimawandel abzuwenden, nur erreichen, wenn andere Menschen mit mir kooperieren und ebenfalls CO2 einsparen. Falls die Klimaziele nicht erreicht werden können, bekommen alle Menschen die Folgen zu spüren, wobei diejenigen, die nicht auf die Flugreise verzichtet haben, wenigstens ihren Urlaub im fernen Süden verwirklichen konnten. Noch deutlicher wird das Dilemma, wenn nicht mehr der Mensch alleine, sondern ein Unternehmen oder gar ein Nationalstaat Subjekt des Gedankenspiels ist: Es ist ökonomisch effizienter, sein eigenes egoistisches Interesse zu verwirklichen, als das gemeinnützige Gruppenziel voranzutreiben.


Dass wir Menschen in so ein Dilemma geraten, hat zwei Ursachen: Zum einen – ganz trivial – entspricht das egoistische Ziel des Einzelnen sehr selten dem Ziel der Gruppe. Zum anderen existiert kein Vertrauen in die Mitmenschen, sodass jeder Mensch beinahe die Erwartungshaltung hat, dass seine Mitmenschen nicht kooperieren werden, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.


Es müssen daher Konzepte entwickelt werden, um diesen beiden Ursachen entgegenzuwirken. Hier schon mal zwei Ideen: Um die erste Ursache einzudämmen, können Anreize verwendet werden, wie beispielsweise eine CO2-Steuer. Ein Unternehmen, das seine Produkte nachhaltiger und ressourcenschonender als andere Unternehmen produziert, wird damit belohnt, dass es die Produkte günstiger als andere Unternehmen verkaufen kann, da die Konsumenten verschieden hohe CO2-Steuern zahlen müssen. Damit wird die Kraft des egoistischen Ziels, den Gewinn zu maximieren, auf das gemeinnützige Ziel, CO2 einzusparen, gelenkt. Ein globaler Emissionshandel ist auch denkbar. Beide Konzepte sind allerdings nur dann sinnvoll, wenn sie durch eine Klimadividende sozial gerecht werden, da der Konsument ja den Aufpreis der Steuer bezahlt. Der zweiten Ursache entgegenzuwirken, scheint bisher nahezu utopisch. Nötig dazu wäre eine Art „globale Menschheitsidentität“ und ein anderes gesellschaftliches „Mindset“, sodass sich Menschen auf der ganzen Welt so sehr miteinander identifizieren, dass fast jeder zu einer Kooperation bereit ist, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.


Es steht fest, dass wir solche oder andere Konzepte, die den beiden Ursachen entgegenwirken, brauchen – und das schon in naher Zukunft. Denn klar bleibt: Die schwierigsten Aufgaben der Menschheit können wir nur zusammen als Team schaffen. Damit ist nicht nur das Abwenden des Klimawandels gemeint. Funktionsfähige Infrastruktur, Forschung gerade im medizinischen Bereich und Innovation im Energiesektor sind ebenfalls Ziele, von denen wir alle profitieren. Doch das sind alles nur Perspektiven der Zukunft: Um dahin zu kommen, gilt es zu handeln und den Klimawandel zu verhindern. Dafür brauchen wir vor allem politische Maßnahmen auf globaler Ebene im Großen, aber auch im Kleinen sollte jeder für sich selbst schauen, wie er sein Leben umweltschonender gestalten kann.


(Quelle: https://www.nwzonline.de/freitag-fuer-meinung/oldenburg-freitag-fuer-meinung-die-schwierigste-aufgabe-der-menschheit_a_50,5,3805546224.html)

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