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KI - Produktivitätsbooster oder Jobkiller?

  • vor 18 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Von Lucie, Sophia, Jette, Selma - Welchen Einfluss hat die Nutzung von KI auf unseren Arbeitsmarkt heute und in Zukunft? Wir haben im Rahmen des Vernetzten Unterrichts zum Thema "KI-Revolution - Versklavung oder Befreiung?" mit einer echten Expertin gesprochen.



Momentan entwickelt sich die Künstliche Intelligenz rasant und wird dabei in zunehmend mehr Bereichen eingesetzt. Auch Unternehmen integrieren KI weiter in ihre Arbeitsprozesse und den Arbeitsalltag. Viele Beschäftigte sprechen dabei immer häufiger von der Angst, durch die Nutzung von KI, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Aber ist das wirklich so oder kann die KI uns helfen effizienter zu arbeiten und gegen den Fachkräftemangel zu steuern?


Dazu haben wir ein Interview mit Barbara Engels geführt. Sie ist Digitalökonomin am Institut für Deutsche Wirtschaft (DIW) und forscht zu den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Digitalisierung. In unserem Gespräch haben wir sie nach ihren Einschätzungen zu den Veränderungen durch KI im Arbeitsmarkt befragt und ob diese Angst des Jobverlusts berechtigt ist.


Wie verändert KI den Arbeitsmarkt aktuell – und wie denken Sie wird er in 10 Jahren aussehen?

KI verändert unseren Arbeitsmarkt jetzt schon, aber vor allem die Tätigkeiten. Berufe fallen weg, aber dafür entstehen neue und die Anzahl an Arbeitsplätzen bleibt gleich.


Was würden Sie also als Chancen von KI am Arbeitsplatz sehen?

Ich sehe KI keineswegs als Jobkiller. Die künstliche Intelligenz stellt eine Chance dar, den Fachkräftemangel zu reduzieren und hat einen positiven Einfluss auf unseren Arbeitsmarkt.


Besteht dadurch auch die Gefahr, dass soziale Ungerechtigkeit zunimmt?

Ja! Wie bei allen Transformationen, müssen wir schauen, dass alle mitkommen. Das ist allerdings sehr schwer und es gibt leider immer Leute, die „zurückbleiben“. Wie bei der Digitalisierung momentan auch.


Kann sich KI auch auf Löhne auswirken und da eventuell Unterbezahlungen und Ungerechtigkeiten verhindern?

Ja, es gibt eine Studie von meinem Kollegen, die zeigt, dass die Menschen, die mit KI zusammenarbeiten, tendenziell höhere Löhne erhalten. Das liegt daran, dass KI nach dem Anschaffen weniger Kosten als Mitarbeiter beansprucht, was sich positiv auf ihre Löhne auswirkt und so an dieser Stelle eventuell Ungerechtigkeiten verhindern könnte.


Was glauben Sie, welche Branchen werden sich am meisten durch den Einsatz von KI verändern?

Die Tätigkeiten, die sich am meisten verändern werden, sind die sogenannten „White-Collar-Berufe“. Das sind Berufe wie Kundenservice, Verwaltung, Büroarbeit und Softwareentwicklung. Diese werden wahrscheinlich zuerst fast komplett von KI übernommen. Das muss aber nicht heißen, dass alle, die in diesem Beruf arbeiten, auf einmal arbeitslos sind.


Welche Rolle spielen in diesem Bezug große Technologieunternehmen wie OpenAI oder Google in der Entwicklung?

Die Unternehmen haben zuerst sehr viel Macht. Bei der Entwicklung ist es entscheidend, wie sie ihre KI gestalten und welche Werte sie integrieren. Das muss gut beobachtet und bewacht werden, damit diese Entwicklungen nicht in die falsche Richtung laufen, um im Notfall eingreifen zu können. Für uns ist daher wichtig KI zu verstehen, damit wir auch verstehen, welche große Macht diese Unternehmen wirklich haben.


Sollte der Einsatz von KI daher stärker reguliert werden – zum Beispiel mit Gesetzen der EU? Momentan gibt es AI-Act. Diesen Effekt sollten wir erstmal abwarten bevor wir von mehr oder weniger Regulierung sprechen. In Europa sind wir da schon auf einem ganz guten Weg, indem es bestimmte Grenzen gibt, was KI darf und was nicht. Das Problem ist allerdings, dass Gesetzgebung sehr träge ist, die KI sich aber schnell entwickelt. Daher müssen wir schnell reagieren und Regulierungen finden, die nicht zum Wettbewerbsnachteil führen.


Welche weitere Verantwortung trägt der Staat?

Der Staat trägt die Verantwortung für KI-Bildung. Es müssen Informations- und Bildungsangebote für alle Menschen aller Schichten und Altersstufen zur Verfügung stehen. In jeder Schule und in jedem Ausbildungsprogramm sollten verschieden KI Kompetenzen erlernt werden, um den Umgang mit KI direkt am Anfang richtig zu lernen. Jeder Mensch sollte in der Lage, informierte Entscheidungen im Umgang mit KI treffen zu können, damit es für jeden möglich ist, KI am Arbeitsplatz effizient zu nutzen.


Welche Fähigkeiten werden junge Menschen im Hinblick auf ihre Berufswahl in Zukunft brauchen?

Wichtig wird ein kritisches Urteilsvermögen sein. Man sollte wissen, wie man mit KI vernünftig zusammenarbeitet und sich den Vor- und Nachteilen bewusst sein. Besonders wichtig sind allerdings die Fähigkeiten, die KI nicht bedienen kann: Empathie und ein soziales Miteinander. Man sollte auch offen und flexibel sein. Das Arbeitsleben ist durch KI eben nicht mehr das gleiche, wie vor vielen Jahren. Seid offen Neues zu lernen und sich ab und zu umzustellen.


Wie arbeiten Sie als Digitalökonomin aktiv an der Optimierung von KI – jetzt und in Zukunft? Ich versuche mit meiner Forschung zu informieren. Menschen sollten fähig sein, mit KI richtig umzugehen und die Unternehmen dazu zu bringen, sich mit KI zu beschäftigen, denn es führt kein Weg daran vorbei. Unternehmen, die keine KI nutzen, werden früher oder später deutlich unterlegen und weniger effizient sein. Dazu erforsche ich die Risiken von KI, wie zum Beispiel den ökologischen Fußabdruck. Denn KI verbraucht sehr viel Energie und man muss einen Weg finden, dies zu reduzieren. Ich arbeite also nicht technisch, sondern ordne die Themen ökonomisch ein. In Zukunft werde ich so weiter machen und muss ähnlich flexibel, wie jeder/jede sein.


Möchten Sie zum Abschluss noch etwas erwähnen, was Ihrer Meinung nach wichtig ist? Meiner Meinung nach ist eine ausgewogene Betrachtung wichtig. Ich bin aber sehr optimistisch gestimmt und denke, dass KI eine große Chance ist, die wir in vielen Bereichen einsetzen können. Trotzdem sollte man auf die Risiken schauen und darauf achten, wie man wirklich alle Menschen in diesem Prozess mitnehmen kann.

 
 
 

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