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Chancen nutzen statt Untergang predigen!

  • vor 18 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit

Von Jan Wulle - Viele sehen vor allem Gefahren, Risiken und Probleme durch die Künstliche Intelligenz, aber führt sie uns wirklich ins Verderben? Ein Essay zum Vernetzten Unterricht.


November 2022: eine Website namens Chat GPT wird veröffentlicht. Anfangs noch sehr begrenzt und fehleranfällig, wurde sie sehr schnell immer besser und löste erstmals einen weltweiten KI-Boom aus. Mit Claude, Perplexity AI und Google Gemini folgten bald viele weitere KI-Assistenten, wodurch diese immer mehr an Relevanz gewannen.


Mittlerweile erledigt KI viele Aufgaben besser und effizienter als die meisten Menschen und ist aus dem Leben vieler nicht mehr weg zu denken. So nutzen inzwischen zwei Drittel der Deutschen KI, was einmal mehr ihre Wichtigkeit unterstreicht. Das merkt man auch an der Aktienbörse, wo Aktien von großen Tech-Konzernen wie Nvidia und Alphabet in der letzten Zeit durch die Decke gingen und auch OpenAI - die Firma hinter Chat GPT - auf mehrere hundert Milliarden geschätzt wird.


Somit kann man sagen, dass KI längst nicht mehr nur der freundliche Helfer bei Hausaufgaben ist, sondern insbesondere für viele Unternehmen zum Milliardengeschäft geworden ist. So setzen (Stand Sommer 2025) schon gut 40% der deutschen Unternehmen KI ein, wodurch sie sich eine höhere Produktivität und niedrigere Gehaltskosten erwarten.


Damit ist die enorme Bedeutung von KI für die Wirtschaft zwar unbestritten, aber es ergeben sich in diesem Zusammenhang auch diverse Fragen:-   Welchen Einfluss nimmt KI wirklich auf die deutschen Unternehmen? -   Inwieweit hilft KI gegen den Fachkräftemangel? -   Wie sehr kann KI die Produktivität steigern, und kann sie Deutschlands stagnierte     Wirtschaft wieder ankurbeln? -   Inwieweit beeinflusst KI die verfügbaren Arbeitsplätze? -   Wie sehr müssen wir in Zukunft um unseren Job zittern, und benötigen wir bald zahlreiche     Umschulungen? Das alles sind Fragen, die zeigen, wie vielseitig KI zukünftig Einfluss auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt nehmen kann, und wie sehr sie unser aller Zukunft schon bald beeinflussen wird.


Aber in welchem Umfang wird schon heute KI geschäftlich genutzt?

Stand Sommer 2025 nutzen laut einer Destinet-Umfrage 36% der deutschen Unternehmen KI in ihren Geschäftsprozessen, was ein großer Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr ist, wo es nur 20% waren. Außerdem planen oder diskutieren aktuell 47% der deutschen Unternehmen, ob und wie sie zukünftig KI einsetzen können. Demzufolge ist KI nur noch für 17% der Unternehmen gar kein Thema, was deutlich weniger als im letzten Jahr ist, wo es noch 41% waren. Daher ist anzunehmen, dass die Anzahl der KI nutzenden Unternehmen in näherer Zukunft weiter stark steigen wird. Besonders in Bereichen mit Kundenkontakt, sowie Marketing und Kommunikation übernimmt KI schon heute viele Aufgaben. So ersetzt sie zunehmend Call Center durch kluge Chatbots und kann beim Erstellen von Werbeplakaten eine große Hilfe sein. Besonders wichtig ist KI außerdem bei der Analyse von großen Datenmengen, aus denen sie wertvolle Schlüsse über bspw. das Kaufverhalten von Kunden ziehen kann. Gerade in einem Zeitalter, wo Daten immer wertvoller werden, ist das ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil.


Besonders in großen Unternehmen kommen diese Anwendungszwecke schon heute oft zum Einsatz. Das ist wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass der Anteil an großen Unternehmen (über 250 Mitarbeitende), die KI in ihre Geschäftsprozesse integrieren, mit 56% deutlich höher ist, als die der Kleinst- bzw. Kleinunternehmen (1-9 bzw. 10-49 Mitarbeitende) mit 28 bzw. 29%. Noch größer ist der Unterschied in dem Umfang der KI- Nutzung zwischen kleinen Unternehmen und DAX-Konzernen. Hier bieten 32 von 40 Konzernen - also 80% - schon heute KI basierte Produkte an. Daher ist es auch wenig überraschend, dass ein Großteil der in Deutschland getätigten Investitionen in KI von den DAX-gelisteten Konzernen ausgeht. So investieren sie schon heute mehrere Milliarden in Rechenzentren, Software und andere KI-Bereiche. Somit kann man sagen, dass die Investitionen in KI für viele - gerade große Unternehmen - zunehmend wichtiger wird, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.


Demzufolge steht bei vielen Unternehmen eine große Umstrukturierung bevor, die sich zwangsläufig auch auf den Personalbedarf auswirken wird. So könnten schon bald ganz andere und völlig neue Qualifikationen gefragt sein. Aber wie genau wird dieser Wandel aussehen?


Ein Beitrag des Deutschlandfunks geht davon aus, dass in den nächsten 15 Jahren 800.000 Stellen aufgrund von KI wegfallen werden. Besonders betroffen sind davon Sekretariats- und Schreibdienste, sowie Jobs in Auskünften und Call Centern, die schon heute zunehmend von KI ersetzt werden. Hier sollen laut dem Beitrag in den nächsten 15 Jahren gut 120.000 Stellen wegfallen. Aber auch in Bereichen wie Lagerei, Großhandel, Gesundheitswesen und öffentlicher Verwaltung könnte es bald deutlich weniger verfügbare Arbeitsplätze geben.  Besorgniserregend ist hier, dass auch sicher geglaubte Akademiker-Jobs und Expertenstellen nicht vor der KI-Entwicklung sicher sind und häufig ein überraschend hohes Automatisierungspotential haben. Insbesondere betrifft das Wissens- und Textbasierte Tätigkeiten sowie Routinearbeiten. So könnten zum Beispiel Lektorats- oder Recherchearbeiten bald flächendeckend von KI erledigt werden.


Auch sehr gut eignet sich KI für das Erstellen von Finanzberichten, die Risikobewertung und das Programmieren auf Junior Level. Somit dürften vor allem junge Berufseinsteiger nach dem Studium betroffen sein, die es dann aufgrund von fehlender Berufserfahrung immer schwerer haben, eine offene Stelle zu finden. Das sieht man auch an der Arbeitslosenquote von Akademikern, die - Stand 2025 - bei 3,3% lag. Dies ist im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt, der aktuell bei 6,5 liegt, zwar immer noch ein sehr guter Wert, allerdings lag seit 2007 der Arbeitslosenanteil bei Akademikern bisher immer unter drei Prozent und war bspw. 2022 noch bei nur 2,2 Prozent. Für diese Entwicklung ist KI zwar nur ein Faktor von vielen und hauptsächlich die schwächelnde deutsche Wirtschaft sowie die stark gestiegene Anzahl an Hochschulabsolventen verantwortlich, allerdings gibt sie einen guten Vorgeschmack auf das, was kommen könnte.


Jedoch geht der Bericht vom Deutschlandfunk auch davon aus, dass für die 800.000 Arbeitsplätze, die voraussichtlich wegfallen, 800.000 neue entstehen werden, wodurch die Zahl der in Deutschland verfügbaren Arbeitsplätze ungefähr gleichbleibt. So ist nach dem Bericht zu erwarten, dass bspw. im Bereich der IT und Informationsdienstleister 110.000 neue Arbeitsplätze in den nächsten 15 Jahren entstehen. Zum Beispiel werden KI-Ingenieure, KI-Moderatoren für automatisierte Entscheidungen, KI-Ethiker oder KI-Trainer in Zukunft immer wichtiger, was viele gut bezahlte Stellen bedeutet.


Die Chance!

Zwar sind hierfür teilweise aufwendige Umschulungen von Personal nötig, allerdings verspricht das KI-unterstützte Arbeiten langfristig eine große Steigerung der Produktivität, die sich auch positiv auf die stagnierende deutsche Wirtschaft auswirken wird. So bietet KI die Chance, auf ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von jährlich 0,8%. Was erstmal nicht viel klingt ist eine Menge, wenn man bedenkt, dass das BIP in Deutschland in den letzten 3 Jahren um 1,2% gesunken ist, und 2025 um nur 0,2% stieg. Somit sind wir fast darauf angewiesen, KI in unsere Arbeitsprozesse zu integrieren, um international wettbewerbsfähig zu bleiben und keine weitere Rezession der deutschen Wirtschaft zu riskieren. Das ist auch im Sinne des Erhalts von Arbeitsplätzen, da wirtschaftliche Krisen oft viele Stellen kosten, wohingegen eine starke Wirtschaft viele gut bezahlte Arbeitsplätze verspricht.


Ein weiteres Problem, das KI entschärfen kann, ist der sich durch den demografischen Wandel zuspitzende Fachkräftemangel. So fehlen allein in Deutschland hunderttausende Fachkräfte. Insbesondere bei handwerklichen Berufen ist dieses Problem besonderes präsent, wodurch lange Wartezeiten und hohe Preise aktuell an der Tagesordnung sind. Hier kann KI zwar noch keine Wärmepumpen einbauen, jedoch kann sie bei Büroarbeiten, wie z.B. beim Schreiben von Angeboten oder dem Erstellen von Berichten, sowie bei der Planung helfen; dadurch werden wertvolle Kapazitäten frei. Außerdem kann durch KI das Bedienen von komplexen Maschinen stark vereinfacht werden, was ebenfalls die Produktivität steigert. Somit kann KI auch in handwerklichen Berufen eine große Hilfe im Kampf gegen den Fachkräftemangel sein, der unter anderem in einem nicht zu unterschätzenden Maß zu der aktuellen Wirtschaftslage in Deutschland beiträgt.


Auch große Hoffnung für die Zukunft unserer Wirtschaft machen die über 900 KI-Start-ups in Deutschland, die häufig ein großes Potential haben, und daher für die Zukunft viele neue Arbeitsplätze versprechen. Ein Beispiel hierfür ist Deepset. Das Berliner Unternehmen wurde im Juni 2018 gegründet und hilft Unternehmen dabei, eigene Daten über bspw. Kunden schneller und einfacher auszuwerten. Möglich wird das durch den Einsatz von Large Language Models (LLMs), durch die sich Daten einfacher analysieren lassen und das Bauen von KI-Agenten für spezifische Zwecke möglich wird. Gerade in einem Zeitalter mit immer mehr Daten, ist die Datenanalyse mit KI eine sehr vielversprechende Branche.


Abschließend kann man sagen, dass KI zukünftig einen sehr großen Einfluss auf den Arbeitsmarkt nehmen wird. Hierbei wird sie nicht nur viele Arbeitsplätze stark verändern, wodurch zahlreiche Umschulungen nötig werden, sondern auch einige Stellen komplett ersetzen. Allerdings wird sie zukünftig auch unverzichtbar sein, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu erhalten und die Regression der deutschen Wirtschaft abzuwenden. Daher bin ich mir sicher, dass bei einem künftigen Verzicht auf den Einsatz von KI die Wirtschaft zunehmend schwächer würde und Arbeitsplätze in noch größeren Umfang verloren gingen. Deshalb sollte Deutschland zuversichtlich in KI investieren und die Chance auf eine gesunde, wachsende Wirtschaft sehen. Diese ließe neue, gut bezahlte Jobs entstehen, die wiederum unseren Lebensstandard sichern und uns Wohlstand bringen.

 


 

Quellen:

 
 
 

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