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"How dare you!?"

Aktualisiert: 11. Okt 2019

Von Johanna Meyer und Fernando Peiniger - In den letzten zwei Wochen wurde besonders ein Thema in den Medien stark diskutiert: Greta Thunbergs ergreifende Rede vor den Vereinten Nationen. Die Gewinnerin des Alternativen Nobelpreises spaltete die Meinungen und erhielt für ihre Rede viel Lob. Jedoch musste sie auch viel Kritik einstecken.


Vom 21. bis zum 23. September diesen Jahres trafen sich die Staatsoberhäupter der Vereinten Nationen, um weitere Maßnahmen zu finden, dem Klimawandel entgegenzutreten. Mehrere Klimaaktivisten äußerten sich, in Form von Reden, zu diesem Thema. Darunter die 16- jährige Greta Thunberg, deren Rede besonders hervorstach und in den Medien für großes Interesse sorgte.


Sie war zuvor in die USA gesegelt, um einen Flug zu vermeiden und somit umweltfreundlicher zu reisen. Laut der „Taz“ sei dies allerdings nicht der Fall gewesen, da Gretas viel Logistik und Personal erfordernder Segeltörn für mindestens sechs Flüge über den Atlantik verantwortlich sei, wodurch mehr Treibhausgasaustoß verursacht worden sei, als wenn sie selbst geflogen wäre. Hierdurch könnte der Segeltörn wie ein Versuch wirken, in den Medien Aufmerksamkeit zu erlangen.


Auf viele machte Thunbergs stark emotionalisierte Rede, mit welcher sie die Meinungen spaltete, denselben Eindruck. „How dare you?“, klagte Greta die Mitglieder mit Tränen in den Augen an. Mit brüchiger Stimme beschuldigte sie diese, ihre Kindheit und Träume gestohlen zu haben. Sie könne nicht begreifen, dass sie, als Kind, den Erwachsen nun Vernunft nahelegen müsse, obwohl sie nicht mal in jenem Saal anwesend sein sollte, sondern in der Schule in ihrer Heimat.


Ihre polarisierende Rede bietet eine große Angriffsfläche für Kritik, was sowohl auf eine sachliche als auch auf eine unsachliche Weise von Medien, Politikern und Menschen in den Sozialen Netzwerken genutzt wurde. Von „Fox News“ wurde sie sogar als „psychisch krankes schwedisches Mädchen“ bezeichnet und auch mehrere Politiker, darunter Donald Trump, der laut Medienberichten Thunbergs Rede zwar verpasst habe, aber trotzdem etwas dazu zu sagen hatte, spotteten über die Klimaaktivistin. Viele bezeichnen Greta als zu unerfahren und jung. Dieser Eindruck würde durch ihre übertriebene, emotionalisierte Rede, die die Situation schlimmer darstelle, als sie sei, unterstützt werden und im Gegensatz zu den „großen“ Politikern unprofessionell wirken. Des Weiteren ist vielen ihre Leidenschaftlichkeit suspekt, weswegen sie diese als PR abstempeln. Ihre Wut wirke einstudiert und theatralisch und würde ihren Standpunkt nicht unbedingt weiter unterstützen, sondern nur die Aufmerksamkeit hochhalten.


Doch wie sonst sollte sie Aufmerksamkeit auf ein Thema solcher Wichtigkeit lenken und als 16-jähriges junges Mädchen zwischen Politikern wahrgenommen werden? Obgleich der Auftritt der Aktivistin durchaus kritisch gesehen werden kann, war dieser dem Thema des Klimaschutzes angemessen und bekam vermutlich primär so viel Aufmerksamkeit, da er sich von ihren normalen Auftritten unterschied. Normalerweise präsentiert die Schwedin ihre Fakten sachlicher und lenkt so den Fokus von sich ab und auf die Sache selbst hin, doch dieses mal wirkte es so, als würden alle Emotionen, die sich in den vorherigen Reden aufgestaut hatten, alle auf einmal herausbrechen. Ihre Rede sorgte dafür, dass die ganze Welt ihr gebannt zuhörte und sie der Jugend somit eine Stimme gab, jedoch wurde der Fokus, gerade durch die vielen Hasskommentare, zu sehr auf die Form ihrer Rede anstatt auf deren Inhalt gelenkt, wodurch die Kernaussage verschwimmt und weniger thematisiert wird, als sie sollte.


Einerseits haben die Kritiker, die Gretas Auftritt als zu dramatisch erachten, nicht unrecht, da ihre ergriffene Art von der eigentlichen Frage ablenkt und auf manche möglicherweise übertrieben wirkt, jedoch ist es verständlich, dass Greta auf dieses Thema sehr emotional reagiert, da es sich hierbei um ihre Zukunft handelt. Zudem hätte ihre Rede ohne diesen emotionalen Aspekt niemals so viel Aufmerksamkeit erhalten und ihre Botschaft wäre bei all den anderen Reden und Meinungsbildern untergegangen. Es ist unstrittig, dass Thunbergs Botschaft wichtig ist und viele Erwachsene anscheinend verunsichert, die es nicht wahrhaben wollen, dass ihnen von einem Kind der Spiegel vorgehalten wird.

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