Würdest Du für dein Land kämpfen?
- robertbenkens
- 17. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Von Thore Mennrich - Über eine hochpolitische Frage, die uns alle betrifft.

Würdet ihr für euer Land in den Krieg ziehen? Flüchten? Oder euch bei der Bundeswehr verpflichten lassen? Diese Frage müsst ihr euch wohl bald stellen. Denn erstmals seit 14 Jahren wird nächstes Jahr wieder die verpflichtende Musterung einsetzen.
Dabei kommt auch ein neues Konzept zum Einsatz. So wird allen Deutschen Staatsangehörigen ab Jahrgang 2008 kurz nach dem 18. Geburtstag Fragebögen zugeschickt. Männer müssen diese dabei ausfüllen, während Frauen sie freiwillig ausfüllen können. Mitte 2027 soll es dann zu den ersten Musterungen, also ärztlichen Untersuchungen auf die gesundheitliche Tauglichkeit kommen. Die Gemusterten werden in die Kategorien "wehrdienstfähig", "vorübergehend nicht wehrdienstfähig" und "nicht wehrdienstfähig" eingeteilt. Die Bundeswehr wählt dann die bestgeeigneten Rekruten aus. Da die Kapazitäten für Musterung, Ausbildung und Unterbringung allerdings noch aufgebaut werden müssen, muss man damit rechnen, dass sich die komplette Musterung des Jahrgangs 2008 über mehrere Jahre hinwegziehen wird.
Dabei soll es auch viele Angebote geben, die den Wehrdienst attraktiver machen sollen. Rund 2600 Euro brutto werden etwa das Einstiegsgehalt für neue Freiwillige. Nach mindestens 12 Monaten Dienst stehen Verpflichteten dazu noch 3500 Euro Zuschuss für Führerscheinkosten zu. Von einer wirklichen „Wehrpflicht“ kann bisher allerdings noch nicht die Rede sein. Denn das System soll erstmal auf Freiwilligkeit basieren, sodass jeder die Möglichkeit bekommt, den Wehrdienst zu verweigern.
Ein Zuwachs der Bundeswehr auf 270.000 Soldaten und 200.000 Reservisten ist das Ziel. Falls sich allerdings nicht genügend Freiwillige melden, will der Bundestag jedoch eine Bedarfswehrpflicht in Kraft setzen. Ob das passiert und wie das aussehen würde, bleibt jedoch offen. Kritiker bemängeln trotzdem, dass das neue Wehrdienstgesetz nur den Anschein von Freiwilligkeit erweckt. So würde man zwar individuell die Möglichkeit der Verweigerung bekommen, während die Jahrgänge kollektiv gesehen per Bedarfswehrpflicht gezwungen bleiben, die Quoten zu erfüllen.
Zu dem Thema wurden verschiedene Schüler aus der Oberstufe an der LFS befragt. Und dabei gab es unterschiedlichste Ansichten:
„Wir haben das große Glück, in Deutschland zu leben, in einer Demokratie mit Gesundheitssystem, Bürgergeld, Meinungsfreiheit und einem Zugang zu Bildung. Auch wenn man vieles kritisieren kann. Niemand kann garantieren, dass wir nach einem Krieg noch die selben Möglichkeiten und Freiheiten haben. Deshalb unterstütze ich die Änderungen und kann mir auch vorstellen, selber zur Bundeswehr zu gehen.“
Mathis
„Die Änderungen am Wehrdienstgesetz unterstütze ich nicht. Ich bin der Meinung, dass die Änderung am Wehrdienstgesetz die Tür für eine weitreichende Wehrpflicht und Militarismus öffnet. Generell sehe ich die Aufrüstung sehr kritisch und finde, dass wir unser Geld lieber in wichtigere Bereiche, wie Sozialwesen, Gesundheitssystem oder Bildung stecken sollten." Konstantin
„Ich halte die personelle Stärkung der Bundeswehr für sehr wichtig, um unsere Verteidigungsfähigkeit wiederherzustellen. Man sollte Frauen jedoch im selben Maße beim Wehrdienst einbeziehen. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, selbst Wehrdienst zu leisten oder Waffengewalt auszuüben. Ich hoffe, dass wir irgendwann in einer Welt leben, in der wir auf solche Mittel verzichten können. Die Maßnahme erachte ich in unserer aktuellen Lage aber als richtig.“ Johannes
„Angesichts von Russlands aggressivem Militarismus und der schwindenden Verlässlichkeit der USA halte ich eine Militarisierung Deutschlands einschließlich der Wehrpflicht für notwendig. Als Ausgleich müssen junge Menschen besser gefördert werden, denn man sollte nicht für ein Land kämpfen müssen, das einen selbst nicht unterstützt.” Antonia
Der freiwillige Wehrdienst wird sich wohl vor allem an seiner Akzeptanz in unserer Generation und seinem organisatorischen Erfolg messen lassen. Ob die gewaltigen Pläne der Bundesregierung wirklich umgesetzt werden können, wird sich jedoch erst in den nächsten Jahren zeigen. Denn Musterungszentren und Unterkünfte müssen erst wieder aufgebaut werden, bevor wir wissen können, ob die Änderungen sich bewährt machen.
Dennoch bleibt die Frage:
Was ist euch unsere Demokratie wert? Sind Freiheit, Menschenwürde und Demokratie überhaupt mit dem Militärdienst vereinbar - oder ist eine schlagkräftige Armee erst die Grundlage einer wehrhaften, stabilen Demokratie?
Was ist Eure Meinung?




Kommentare