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Wie frei war die Wahrheit? Zwei Schülerinnen auf den Spuren der DDR-Diktatur

Von Reilie und Marie - Fünf Wochen lang haben wir uns mit einem Thema beschäftigt, das man zwar aus dem Unterricht kennt, aber erst so richtig versteht, wenn jemand davon erzählt, der es selbst erlebt hat: Medienkontrolle und Propaganda in der DDR.


Nach dem Interview, das Reilie und Marie persönlich mit Herrn Börner im Forum St. Peter führten, erklärte sich Herr Börner sogar für einen Besuch in der Schule bereit. Wir bedanken uns für eine kurzweilige, sehr persönliche und interessante Geschichtsstunde: Imke Fischer (Lehrerin), Herr Börner, Reilie und Marie
Nach dem Interview, das Reilie und Marie persönlich mit Herrn Börner im Forum St. Peter führten, erklärte sich Herr Börner sogar für einen Besuch in der Schule bereit. Wir bedanken uns für eine kurzweilige, sehr persönliche und interessante Geschichtsstunde: Imke Fischer (Lehrerin), Herr Börner, Reilie und Marie

Für unser Projekt, welches eine Mischung aus Dokumentation und Interview ist, durften wir einen Zeitzeugen treffen, der uns durch seine Tätigkeit als Journalist in der DDR einen realistischen Einblick auf das Leben in einem Staat gab, in dem die Wahrheit nicht immer die Wahrheit war.

 

Unser Projekttitel lautete:

„Die erfundene Wahrheit – Medienkontrolle und Propaganda in der

DDR“

 

Durch unsere Recherche erlangten wir zu der einfachen aber erschreckenden Erkenntnis:

Berichterstattungen in der DDR waren keine neutralen Berichte über die Realität, sondern ein

politisches Werkzeug, gesteuert von nur einem Zentralorgan. Nur in Büchern darüber zu lesen, reichte uns nicht aus. Wir wollten genau wissen, wie der Journalismus in der DDR damals von staatlicher Unterdrückung geprägt und kontrolliert wurde. 

 

Unsere Vorbereitung

 

Für unser Treffen mit unserem Zeitzeugen wollten wir gut vorbereitet sein. Zuerst mussten

wir uns damit beschäftigen herauszufinden, wie Presse, Rundfunk und Fernsehen in der DDR

funktionierten bzw. gesteuert  wurden und verstehen, warum die SED soviel Wert auf die

Kontrolle der öffentlichen Medien legte. Außerdem wollten wir unser Projekt später in der

Schülerzeitung veröffentlichen, weswegen wir uns früh an Herrn Benkens, unserem

Deutschlehrer sowie Koordinator der Schülerzeitung wandten, um Tipps für einen guten

Aufbau unseres Interviews sowie zielgerichtete Fragen zu erhalten. Besonders wichtig war

ihm, unserem Zeitzeugen Raum für seine persönlichen Erinnerungen und somit auch ein gewissen Abschweifen von den bloßen Fakten zu geben.


Besonders in dieser Phase der Vorbereitung wurde uns bewusst, wie komplex das Thema ist

und wie schwer es ist, sich vorzustellen, in einer Zeit zu existieren, in der freie Meinungen

sowie Berichterstattungen nicht zulässig waren.

 

Das Interview

 Am spannendsten war natürlich das Treffen mit unserem Zeitzeugen. Hans Jürgen-Börner, ein Journalist den wir übers Internet ausfindig machen und kontaktieren konnten, sagte einem gemeinsamen Gespräch mit uns über seine Vergangenheit in der DDR zu. Trotz unserer guten Vorbereitungen waren wir ziemlich aufgeregt und können sogar im Nachhinein sagen, dass wir wohl an einigen Stellen hätten professioneller sein können – aber als Anfänger haben wir uns dann doch ganz gut geschlagen.

 

Unser Zeitzeuge erzählte uns von seiner Arbeit als Journalist in der DDR: Ständige Überwachungen bestimmten seinen Alltag als West-Korrespondent der ARD in der DDR. Als Journalist, der die Unstimmigkeiten in der DDR erkannte, setzte er sich unter anderem auch in diversen Demos für Veränderung ein. Dabei bekam er es oft mit unangenehmem Einschüchterungsversuchen zu tun: 


„Es wurde nur etwas brenzlig, wenn es Demos gab […].

Dann wurde man auch schon mal bedrängt.[…] dann bin ich auch schon mal mit einem Elektroschocker traktiert worden.“


Er berichtete uns von den Staatsakten, die über ihn existieren und mit denen er sich auch heute noch, viele Jahre nach der Wende, beschäftigt. In seiner eigenen Doku ging er 2001 sogar auf Spurensuche und konfrontierte einige der IMs, sogenannte „Inoffizielle Mitarbeiter“ heute auch oft einfach „Spitzel“ genannt. Das spannende – die allermeisten zeigten keine Reue. Aber nicht nur als Journalist, musste man sich in der DDR angepasst verhalten, wie Börner es uns im weiteren Verlauf des Interviews schildert: „Die DDR ist eine Diktatur. […], die Partei regiert und wer sich da nicht konform verhält, kriegt Probleme.“. Börner gab uns in dem Interview eine eindrückliche Nachricht mit auf den Weg:

„Die DDR war alles, aber nicht frei und auch nicht demokratisch.“

 

 

Besonders beeindruckt hat uns, wie unser Zeitzeuge trotz diverser Vorfälle, wie z.B als er auf

einer Demonstration von einem Elektroschocker traktiert worden war, sich nicht unterkriegen

lassen hat und seiner Meinung immer treu blieb. Im Prinzip ist er ein echtes Vorbild.

 

Was wir aus dem Projekt mitnehmen

 

Das Interview hat uns gezeigt, dass die Geschichte der DDR nicht nur in unseren

Geschichtsbüchern, sondern in den Erfahrungen all der Menschen, die diesen Staat damals

miterlebt haben, steckt. Uns ist nun klar, wie wichtig unabhängige Medien sind – vor allem für die Demokratie, auch wenn man es sich heute vielleicht nicht mehr so einfach vorstellen mag.


Außerdem haben wir gelernt, wie viel Arbeit es ist, eine Dokumentation inklusive Interview

zu erstellen: recherchieren , Fragen entwickeln, filmen, schneiden… Spätestens an einem Samstag um 03:30 Uhr hinterfragten wir unsere Entscheidung, ein solches Projekt zu machen dann doch noch einmal. Aber genau diese Erfahrung macht unser Projekt letztendlich so wertvoll.

 

Fazit 

Durch unser Geschichtsprojekt haben wir nicht nur neues dazu gelernt, sondern uns auch

daran erinnert, wie wichtig es ist, mit Zeitzeugen der Geschichte in Kontakt zu treten, denn

sie sind die einzigen, die alles hautnah miterlebt haben und die Vergangenheit nicht nur

stumpf in Geschichtsbüchern abgedruckt, sondern mit realistischen emotionalen Erzählungen

berichten können. Uns ist nun klar das Medien manipulativ sein können und das ein kritischer

Blick, wie der unseres Zeitzeugen, manchmal sehr wichtig ist.

 

Für uns war es am Ende dann doch mehr als nur ein Schulprojekt: Ein Stück Geschichte, das

wir nun immer bei uns tragen.

 



 
 
 

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