"Und siehe, es war sehr gut"

Von Neele Heinke - Warum die Bekämpfung des Klimawandels eine christliche Pflicht ist.

Die Erde ist des Herrn, geliehen ist der Stern, auf dem wir leben, drum sei zum Dienst bereit, gestundet ist die Zeit, die uns gegeben.


Diese ersten Zeilen des christlichen Kirchenliedes „Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben“ beschreiben die christliche Auffassung der Welt und der sehr guten Schöpfung. Das lässt sich auch auf den Klimawandel beziehen.

Aber beginnen wir am Anfang. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde […] er schuf den Menschen zu seinem Bilde […] und sprach […] herrschet.


Wie in Genesis 1, den ersten Versen der Bibel, beschrieben, ist nach christlicher Auffassung Gott der Ursprung allen Lebens. Die Erde ist somit, wie im Lied aufgegriffen, nur geliehen, niemand auf dieser Welt hat somit einen Besitzanspruch.


Der Mensch nimmt hierbei unter allen Geschöpfen eine Sonderstellung ein, die aus der sogenannten Gottesebenbildlichkeit resultiert. Diese darf man aber keineswegs äußerlich verstehen, es versteht vielmehr den Menschen als Gottes Gegenüber auf Erden. Der Mensch ist also das am weitesten entwickelte Geschöpf der Erde, gleichzeitig trägt es aber auch am meisten Verantwortung.


Das wird auch als Herrschaftsauftrag bezeichnet, was nichts anderes als Bewahren oder Beschützen bedeutet. Der Mensch trägt somit die Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung, welche in der Bibel als sehr gut bezeichnet wird. Auch hier nimmt das Lied mit der Aufforderung, man solle zum Dienst bereit sein, darauf Bezug.


Aber steht nicht der anthropogene, menschengemachte Klimawandel nicht im starken Kontrast dazu? Stellt er nicht eine immens große Bedrohung für diese Erde und dessen Lebewesen dar? Ja, natürlich tut er das. Die Tatsache, dass dieser Klimawandel überhaupt erst aus dem Verhalten der Menschheit resultiert, verstärkt unsere Verantwortung nur noch. Nicht nur der Auftrag die göttliche Schöpfung zu bewahren, sondern auch die Tatsache, dass die Menschen für die Ursache dieser Bedrohung verantwortlich sind, verpflichtet die gesamte Menschheit zur Beseitigung der Gefahr.


Dass die Bekämpfung des Klimawandels die Pflicht des Menschen ist, wird nicht nur durch den Herrschaftsauftrag und die Schuld deutlich. Auch die aus der Gottesebenbildlichkeit resultierende Menschenwürde verlangt danach. Menschenwürde heißt, dass jeder Mensch wertvoll ist, eben weil er ein Mensch ist. Wie auch in Artikel 1 des Grundgesetztes festgehalten, ist die Menschenwürde unantastbar. Das muss von anderen Menschen gewährleistet werden. Bekämpft man den Klimawandel also nicht, hat das zur Folge, dass vielen Menschen ein Leben in Menschenwürde nicht mehr möglich ist, da sie beispielsweise Hunger leiden müssten.


Um die Menschenwürde anderer zu bewahren, muss die gesamte Menschheit sicherstellen, dass Bedrohungen, die eine Gefahr für jene Würde darstellen könnten, eliminiert werden. Es gibt bereits zahlreiche Verletzungen der Menschenwürde, noch hinzukommende wären fatal. Es steht unzweifelhaft fest, dass die Katastrophen, die ein nicht bekämpfter Klimawandel mit sich bringen würde, eine so große und vor allem langfristige Bedrohung für die Würde sehr vieler Menschen bedeuten würde wie kaum eine Bedrohung zuvor.

Daher resultiert die Pflicht, den Klimawandel zu bekämpfen, einerseits aus der Verantwortung für die Erde gemäß des Herrschaftsauftrags und der Schuld an dieser Bedrohung, anderseits aber auch aus dem Auftrag heraus, die Menschenwürde anderer zu beschützen. Letztlich geht es jedoch um nicht weniger als die Bewahrung der göttlichen Schöpfung. Die zu beschützende Schöpfung wird zudem als sehr gut bezeichnet, was bedeutet, dass eklatante Veränderungen nur zu Verschlechterungen führen würden.


Deshalb stehen vor allem Christinnen und Christen in der Verantwortung, was alle anderen Menschen jedoch keineswegs ausschließt, da auch für sie der Verantwortungsauftrag gilt. Das ist geographisch unabhängig. Der Appell, nein die Verpflichtung, richtet sich an jeden einzelnen Menschen auf der Welt. So unbedeutend beispielsweise Oldenburg in der globalen Klimapolitik auf den ersten Blick auch erscheinen mag, die Oldenburgerinnen und Oldenburger müssen ebenso ihren Beitrag leisten.


Wenn wir nicht schon den Anspruch haben die Katastrophen des Klimawandels für uns selbst abzuwenden, so sollten wir es zumindest für die restliche Schöpfung tun, wie es das Kirchenlied fordert.


Wie dort schon angemahnt wird: Die Zeit wird knapp, wir müssen handeln!

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